Die Biodiversität phytophager Insekten ist häufig eng mit den Wirtspflanzen verknüpft, mit denen sie interagieren. Bei einigen Arten spezialisieren sich unterschiedliche Populationen auf verschiedene Wirtspflanzen und paaren sich, obwohl sie denselben Lebensraum teilen, überwiegend auf ihrer jeweils bevorzugten Wirtspflanze. Dadurch werden Kreuzungen zwischen Gruppen mit unterschiedlichen Präferenzen reduziert. Dieses Phänomen kann im Laufe der Zeit die Entstehung neuer, reproduktiv isolierter Arten begünstigen, die jedoch nur eine geringe morphologische Diversität aufweisen. In Südtirol finden sich hierfür aussagekräftige Beispiele bei den Blattflöhen (Hemiptera: Psyllidae), insbesondere bei Arten der Gattung Cacopsylla. Viele dieser Arten zeigen eine spezifische Präferenz für unterschiedliche Pflanzentypen; einige fungieren zudem als Vektoren pflanzenspezifischer Phytoplasmen, mit denen sie biologisch assoziiert sind und die erheblichen Schäden an Kulturpflanzen verursachen können. Im Rahmen dieses Colloquiums werden Beispiele ökologischer Artbildung bei Arten der Gattung Cacopsylla vorgestellt sowie Ergebnisse genetischer Studien präsentiert, die an natürlichen Populationen in Südtirol und Europa durchgeführt wurden. Darüber hinaus werden ökologische und klimatische Faktoren diskutiert, die die Aufnahme und Übertragung von Phytoplasmen beeinflussen können, mit besonderem Augenmerk auf Effekte im Zusammenhang mit der globalen Erwärmung. Ziel ist es, die Risikobewertung zu verbessern und wirksamere Kontrollstrategien zu entwickeln.
Lapo Ragionieri ist molekularer Entomologe am Kompetenzzentrum für Pflanzengesundheit der Freien Universität Bozen. Seine Forschung konzentriert sich auf die Populationsgenetik verschiedener Insektenarten, mit besonderem Fokus auf Arten, die als Vektoren von Phytoplasmen fungieren und eine Bedrohung für landwirtschaftliche Kulturen darstellen.
Die Veranstaltung ist auch online auf dem YouTube-Kanal des Naturmuseums zu sehen.

