Zusätzlich zum jährlich durchgeführten Standardprogramm sind im Projekt Geldmittel für die Untersuchung spezieller Fragestellungen vorgesehen. Spezialprojekte können vertiefende Studien innerhalb des Standardprogramms sein, z.B. die Erhebung einer zusätzlichen Organismengruppe. Andererseits kann es sich dabei auch um Projekte handeln, die völlig unabhängig vom Standardprogramm sind. Dabei können spezifische Forschungsfragen behandelt werden, etwa die Auswirkungen einer landwirtschaftlichen Praxis auf die Biodiversität in einem bestimmten Agrar-Lebensraum. Wichtig ist jedoch, dass sich das Hauptziel, nämlich die Untersuchung der Südtiroler Biodiversität und der auf sie wirkenden Einflussfaktoren, im Projekt widerspiegelt.

Braunkehlchen, Wachtelkönig und Neuntöter – Erhebung der Vogelwelt extensiver Wiesen und Weiden
Biodiversität in den Windwurfflächen am Latemar
Verbreitung der Marmorierten Baumwanze und ihre Parasitierung: Vergleich von Obstbaustandorten und naturnahen Standorten
Der Gelbringfalter in Südtirol – Phantom oder Realität?
eDNA: Untersuchung von Böden in Apfelanlagen mit neuen Methoden
Überprüfung biodiversitätsfördernder Maßnahmen im Rahmen des Schneewinkelprojekts

Braunkehlchen, Wachtelkönig und Neuntöter – Erhebung der Vogelwelt extensiver Wiesen und Weiden

Projektbeschreibung und Ziele: In den letzten Jahrzehnten hat sich die Landwirtschaft stark verändert. Wiesen werden vielfach früher und öfter gemäht und auch stärker gedüngt. Dies hat schwerwiegende Auswirkungen auf die Biodiversität. So wurden die Populationen jener Vogelarten, die an extensiv bewirtschaftete Wiesen und Weiden gebunden sind, stark dezimiert oder sind gar ganz verschwunden. Das Hauptziel dieses Projekts ist es, die Ökologie und Verbreitung jener Arten zu erforschen, die an extensiv bewirtschaftete Grasländer gebunden sind. Gleichzeitig gilt es zu verstehen, wie eine zukünftige Grünlandnutzung funktionieren kann, bei der auch diese Arten überleben können.

Methoden: Die Untersuchungsgebiete wurden anhand zweier Kriterien ausgewählt: Einerseits wurden bereits bekannte Verbreitungspunkte als Anhalt für eine mögliche rezente Verbreitung herangezogen, andererseits wurden potenziell geeignete Gebiete anhand landschaftlicher Kriterien vorausgewählt. Die Einzelerhebungen in den Untersuchungsflächen entsprechen in etwa jenen des Standardprogramms des Biodiversitätsmonitorings. Die Ornithologen besuchen die Erhebungspunkte zweimal jährlich zwischen April und Juli in den frühen Morgenstunden. Dort zählen sie alle beobachteten Arten, gehört oder gesehen, wobei zwischen denen innerhalb und denen außerhalb eines Radius von 100 m unterschieden wird. Außerdem werden auch Lockrufe abgespielt, um einige seltene Vogelarten nachzuweisen. Zudem werden auch Erhebungen in den Abendstunden durchgeführt, um nachtaktive Arten (Ziegenmelker, Wachtelkönig) zu erfassen.

Partner: Das Projekt findet in Zusammenarbeit mit dem Amt für Natur (Aut. Prov. Bozen-Südtirol) statt.

Kontakt: Ansprechpartner für weitere Auskünfte ist Matteo Anderle, matteo.anderle@eurac.edu

Einige Vogelarten sind an extensiv bewirtschaftete Wiesen und Weiden gebunden. Die Intensivierung der Bewirtschaftung hat einen Rückgang dieser Vogelarten zur Folge.

Neuntöter sind typische Bewohner einer halboffenen, durch zahlreiche Hecken und Sträucher geprägten Kulturlandschaft.

Extensive Wiesen werden weniger geschnitten und gedüngt, dadurch wird der Lebensraum der dort lebenden Vögel kaum gestört.

Feldlerchen brüten auf Wiesen und Äckern. Ihre Zahl nimmt seit den 1980er Jahren kontinuierlich ab.

Biodiversität in den Windwurfflächen am Latemar

Projektbeschreibung und Ziele: Im Herbst 2018 wurden Teile der Südtiroler Wälder von einer Unwetterfront, dem Sturmtief Vaia, stark in Mitleidenschaft gezogen. Insgesamt fielen 6.000 Hektar Wald in 86 Südtiroler Gemeinden dem orkanartigen Sturm zum Opfer. Besonders beeinträchtigt wurde die Umgebung des Latemars, also die Gemeinden Deutschnofen und Welschnofen. Dieses Projekt untersucht die Biodiversität in den Windwurfflächen westlich des Karer Passes. Dabei vergleichen wir Flächen mit verschiedenem Totholzanteil: solche, in denen alle toten Bäume entfernt wurden mit solchen, in denen noch tote Stämme verblieben sind. Außerdem untersuchen wir Waldbereiche, die vom Windwurf weitgehend verschont blieben. Ziel des Projekts ist es zu verstehen, wie verschiedene Tier- und Pflanzenarten auf ein Windwurfereignis reagieren und wie sich verschiedene Managementmaßnahmen auswirken.

Methoden: Pro Kategorie (nicht betroffene Waldflächen, geräumte und nicht geräumte Windwurfflächen) haben wir fünf Untersuchungsstandorte ausgewählt, welche einen Mindestabstand von 400 m haben. Bei der Auswahl der untersuchten Organismengruppen haben wir vor allem solche bevorzugt, die besonders auf Totholz reagieren (holzbewohnende Käfer, Rindenwanzen). Die Artengruppen erfassen wir repräsentativ über standardisierte Methoden (Kreuzfensterfallen, zeitstandardisierter Handfang). Außerdem führen wir Teile des Biodiversitätsmonitoring-Standardprogramms durch (Erhebung von Vögeln, Fledermäusen, Bodentieren). Daneben untersuchen wir auch Mäuse und weitere Kleinsäuger.

Partner: Das Projekt findet in Zusammenarbeit mit dem Amt für Forstplanung (Aut. Prov. Bozen-Südtirol) und der Landesdomäne statt.

Kontakt: Ansprechpartner für weitere Auskünfte ist Andreas Hilpold, andreas.hilpold@eurac.edu

Die Umgebung des Latemars wurde vom Sturmtief 'Vaia' besonders beeinträchtigt.

Wir führen Teile des Biodiversitätsmonitoring-Standardprogramms durch (Erhebung von Vögeln, Fledermäusen, Bodentieren).

Im Projekt vergleichen wir nicht betroffene Waldflächen, geräumte und nicht geräumte Windwurfflächen.

Wir untersuchen wir auch Mäuse und weitere Kleinsäuger.

Verbreitung der Marmorierten Baumwanze und ihre Parasitierung: Vergleich von Obstbaustandorten und naturnahen Standorten

Projektbeschreibung und Ziele: Seit einigen Jahren finden wir die aus Asien stammende Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys) auch in Südtirol, wo sie große Schäden im Apfelanbau verursacht: bei ihrer Nahrungsaufnahme saugt die Wanze unter anderem an Äpfeln und beeinträchtigt dadurch die Qualität der Früchte. Eine mögliche Bekämpfungsstrategie ist die Einfuhr von Gegenspielern, welche die Eier der Marmorierten Baumwanze parasitieren. Besonders geeignet dafür sind verschiedene parasitoide Schlupfwespenarten, v.a. die nicht-heimische Samurai-Wespe (Trissolcus japonicus), aber auch die einheimische Art Anastatus bifasciatus. Diese Arten legen ihre eigenen Eier in die Eigelege der Wanzen. Die heranwachsenden Wespenlarven fressen dann die Wanzeneier von innen auf.

Die Ausbringung von nicht-heimischen parasitoiden Wespen könnte jedoch einen Einfluss auf die einheimische Wanzen- und Wespenfauna haben.

Ziel dieses Projekts ist es einerseits zu verstehen, welche Arten in den unterschiedlichen Standorten vorkommen und andererseits die Auswirkungen der Freisetzung exotischer Gegenspieler zu erforschen.

Methoden: Die Forscher untersuchen drei Obstanlagen aus dem Biodiversitätsmonitoring. Dabei wurden ausschließlich biologisch bewirtschaftete Flächen ausgewählt, um den Einfluss von Bekämpfungsmaßnahmen gering zu halten. In der Nähe der drei Obstanlagen wurde jeweils ein weiterer naturnaher Standort ausgewählt, in dessen direkter Umgebung keine Äpfel angebaut werden. Diese naturnahen Standorte besitzen ähnliche Standortbedingungen wie die untersuchten Apfelanlagen (Meereshöhe, Ausrichtung usw.). An allen Untersuchungspunkten wenden wir verschiedene Methoden zur Erfassung von Baumwanzen und ihrer Parasitoiden an. So führen wir visuelle Kontrollen durch, wobei Wanzen-Eigelege und Wanzen erfasst werden. Außerdem entnehmen wir Klopfproben mit einem Klopftrichter, um das Vorkommen der Wanzen und ihrer Gegenspieler zu überprüfen. Daneben installieren wir Malaise-Fallen und Farbschalen, mit denen sowohl Wanzen als auch verschiedene Hautflügler erfasst werden können.

Partner: Das Projekt findet in Zusammenarbeit mit dem Versuchszentrum Laimburg statt.

Kontakt: Ansprechpartner für weitere Auskünfte ist Lisa Obwegs, Lisa.Obwegs@eurac.edu

Die Marmorierte Baumwanze saugt unter anderem Äpfel an.

Ein Eigelege der Halyomorpha Halys.

Lisa Obwegs installiert (Malaise)-Fallen mit denen sowohl Wanzen als auch verschiedene Hautflügler erfasst werden können.

Die nicht-heimische Samurai-Wespe (Trissolcus japonicus) parasitiert die Eier der marmorierten Baumwanze.

Der Gelbringfalter in Südtirol – Phantom oder Realität?

Projektbeschreibung und Ziele: Der Gelbringfalter (Lopinga achine) ist eine europaweit gefährdete Schmetterlingsart, deren Bestand im Rückgang ist. Die Art ist eine Indikatorart naturnaher Wälder, besonders von Buchenwäldern. Auch in der Roten Liste Südtirols wurde die Art als „bedroht“ eingestuft. Die letzten Nachweise liegen etwa zwanzig Jahre zurück. Bislang wurde der Tagfalter nur am Mendelkamm beobachtet.

Im Rahmen dieses Projekts wollen wir das Vorkommen und die Verbreitung des Gelbringfalters in Südtirol untersuchen. Zudem wollen wir mehr über die Ökologie der Art in unserer Provinz verstehen, sowie ein angepasstes Monitoringsystem zu ihrem Erhaltungsstatus entwickeln. Ein weiteres Ziel ist es, konkrete Maßnahmen für den Schutz des Gelbringfalters in Südtirol vorzuschlagen. Außerdem wollen wir generell das Wissen zur Schmetterlings-Biodiversität in den Wäldern am Mendelkamm verbessern: An einer Reihe von Einzelstandorten werden alle vorhandenen Tagfalter erhoben.

Methoden: Wir führen klassische Tagfaltererhebungen durch: zwischen Juni und Juli fangen wir die adulten Tagfalter mit einem Netz, bestimmen sie und lassen sie anschließend wieder frei. Dafür konzentrieren wir uns auf jene Standorte, die für den Gelbringfalter geeignet scheinen. Bei einer ersten Begehung in der ersten Junihälfte wählen wir eine Reihe von Untersuchungsstandorten aus. Hier führen wir eine Transekterhebung durch, welche methodisch jener des Standardprogramms des Biodiversitätsmonitorings entspricht. Wir wiederholen die Transekterhebungen der ausgewählten Standorte bei zwei weiteren Begehungen Anfang und Ende Juli. Neben diesen Transekterhebungen suchen wir auch an Forstwegrändern und kleinen Waldlichtungen gezielt nach dem Schmetterling.

Kontakt: Ansprechpartner für weitere Auskünfte ist Elia Guariento, Elia.Guariento@eurac.edu

Der Gelbringfalter ist eine gefährdete Schmetterlingsart.

Wir führen Transekterhebungen durch.

Wir führen auch nicht standardisierte Erhebungen an Forstwegrändern und kleinen Waldlichtungen durch.

Die letzten Nachweise zum Gelbringfalter liegen etwa zwanzig Jahre zurück. Bislang wurde der Tagfalter nur am Mendelkamm beobachtet.

eDNA: Untersuchung von Böden in Apfelanlagen mit neuen Methoden

Projektbeschreibung und Ziele: In den letzten Jahren hat sich in ökologischen Untersuchungen zunehmend die Verwendung von eDNA-Methoden etabliert. eDNA steht für environmental DNA, also Umwelt-DNA. Dabei handelt es sich um DNA, die von Organismen in die Umwelt abgegeben wird. Die eDNA wird dazu verwendet, die Anwesenheit von verschiedenen Arten an einem spezifischen Ort nachzuweisen. Dadurch erhält man Aufschluss über die gegenwärtige Artenvielfalt bzw. über ihre Veränderung über die Zeit. In diesem Projekt untersuchen wir die eDNA in Böden intensiv bewirtschafteter Obstanlagen in Südtirol. Dabei konzentrieren wir uns vor allem auf Pilze und Bakterien. Ziel des Projekts ist es, die wichtigsten Einflussfaktoren für die Boden-Biodiversität zu ermitteln.

In Südtirol steht die Verwendung von eDNA-Methoden noch am Anfang. Das Projekt bildet somit eine erste Grundlage für die weitere Anwendung dieser Technologien in Südtirol. Parallel zu dieser Pilotstudie wurde eine Arbeitsgruppe mit Vertretern von UniBZ, Eurac Research und dem Naturmuseum eingerichtet, welche die Entwicklung neuer eDNA-Projekte begleitet und fördert.

 

Methoden: Für das Projekt haben wir insgesamt 20 Obstanlagen zwischen Schlanders und Salurn ausgewählt, in denen wir Bodenproben entnehmen. Aus den Proben isolieren wir die gesamte DNA und führen ein Metabarcoding durch. Dabei können anhand eines kurzen, spezifischen Teils der DNA, Bakterien und Pilze meist bis auf Gattungsniveau identifiziert werden. Dadurch erhalten wir einen Überblick über die Diversität von Mikroorganismen im Boden und bekommen auch ein Verständnis für das komplexe Netz an Interaktionen, die zwischen diesen Organismen bestehen.

Partner: UniBZ

Kontakt: Ansprechpartner für weitere Auskünfte ist Giulio Genova: Giulio.Genova@eurac.edu

Insgesamt werden 20 Obstanlagen zwischen Schlanders und Salurn untersucht.

Die Forscher entnehmen Bodenproben von den untersuchten Obstanlagen.

Aus den Bodenproben wird die gesamte DNA isoliert und ein Metabarcoding durchgeführt.

Giulio Genova im Labor. Sein Ziel ist es, die wichtigsten Einflussfaktoren für die Boden-Biodiversität zu ermitteln.

Überprüfung biodiversitätsfördernder Maßnahmen im Rahmen des Schneewinkelprojekts

Projektbeschreibung und Ziele: Im „Schneewinkel“, einer Apfelanbauzone in Schlanders, werden gezielte Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt unternommen. Um die Wirksamkeit dieser Maßnahmen zu überprüfen, erheben wir das Auftreten von Vögeln, Fledermäusen, Tagfaltern und Fluginsekten in diesem Gebiet. Dazu untersuchen wir insgesamt acht Punkte (vier im Schneewinkel-Kerngebiet, und vier außerhalb des Gebiets) um zu verstehen ob die eingeführten Maßnahmen auch wirken.

Methoden: Die Erhebungen variieren je nach Gruppe, die untersucht werden soll. So begann die Vogelerhebung Ende April und dauerte bis etwa Anfang Juni. Wir bestimmen die Vögel in erster Linie anhand ihres Gesangs: In den frühen Morgenstunden erheben wir 10 Minuten lang die Vögel in einem Radius von 100 m. Pro Erhebungspunkt führen wir drei Wiederholungen durch.

Zur Erhebung der Fledermäuse montieren wir Ultraschall-Aufnahmegeräte, sogenannte „Batlogger“. Diese Geräte nehmen die Laute der Fledermäuse auf, anhand derer wir die Arten bestimmen.

An insgesamt drei Erhebungsterminen erfassen wir die Gruppe der Tagfalter. Die Erhebungen finden im Zeitraum zwischen Mai und September bei schönem Wetter statt. Dafür gehen wir ein Transekt (eine markierte gerade Linie) von 50 m langsam ab und fangen die Tagfalter in der Nähe. Diese werden dann bestimmt und anschließend freigelassen.

Neben den Tagfaltern untersuchen wir das Vorkommen weiterer Fluginsekten (v.a. Bienen, Wespen und Zweiflügler). Dafür stellen wir an zwei Terminen Fallen für 24 Stunden auf. Als Fallen dienen leuchtend gelb gefärbte, mit Wasser gefüllte Schalen, welche die Insekten auf der Suche nach Blüten ansteuern. Die gesammelten Insekten werten wir anschließend im Labor aus.

Partner: Verband der Obst- und Gemüseproduzenten aus dem Vinschgau (VI.P)

Kontakt: Ansprechpartner für weitere Auskünfte ist Andreas Hilpold, andreas.hilpold@eurac.edu

 

Leuchtend gelb gefärbte, mit Wasser gefüllte Schalen, welche die Insekten auf der Suche nach Blüten ansteuern, dienen als Fallen.

Mit Ultraschall-Aufnahmegeräten werden die Rufe der Fledermäuse aufgenommen und anschließend einzelnen Arten zugeordnet.

Weißlinge kommen im Vinschger Talboden häufig vor. Im Bild: Kleiner Kohlweißling.

Die Singdrossel und die Wacholderdrossel sind häufige Vogelarten des Vinschger Talbodens. Im Bild: Die Singdrossel.

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