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GLORIA

Projektbeschreibung und Ziele: Der Temperaturanstieg durch den Klimawandel ist weltweit mess- und spürbar. Besonders der Alpenraum ist stark vom Klimawandel betroffen und die Erwärmung findet hier besonders schnell statt. Dies bringt schwerwiegende Folgen mit sich, wie die Gletscherschmelze, das Auftauen von Permafrostböden und die vermehrt auftretenden schneearmen Winter, aber auch z.T. unbemerkte Phänomene, wie die Migration von Pflanzen- und Tierarten in höhere, kühlere Regionen, das Artensterben und die Umgestaltung ganzer Ökosysteme.

Um die Auswirkungen des Klimawandels auf Gebirgsökosysteme besser verstehen zu können, wurde 2001 das internationale Forschungsnetzwerk GLORIA („GLobal Observation Research Initiative in Alpine Environments“ –Deutsch: „Weltweite Forschungsinitiative zur Dauerbeobachtung von alpinen Lebensräumen“) gestartet (www.gloria.ac.at). Im GLORIA-Projekt werden mit Hilfe einer einheitlichen Methodik über 100 Untersuchungsgebiete auf 6 Kontinenten untersucht. In Südtirol werden im Rahmen des GLORIA-Projekts zwei Gebiete untersucht.

Methoden: In den Jahren 2001 bzw. 2003 wurde auf je vier Berggipfeln in den Dolomiten (Latemar, Sella-Stock) und in der Texelgruppe Dauerbeobachtungsflächen eingerichtet um die Veränderungen von Artenvielfalt, Artenzusammensetzung, Deckung der Vegetation, Bodentemperatur und Schneedeckendauer über lange Zeiträume hinweg zu untersuchen. Die Erhebungen erfolgen in drei Schritten:

Für die Vegetationsaufnahme wird zunächst ein Rahmen von 3×3 m abgesteckt. Anschließend wird der Rahmen in 9 Quadrate von je 1×1 m unterteilt. In jedem so entstandenen Eckquadrat wird die Deckung von Vegetation, Fels, Geröll und Streu in % geschätzt, und eine erste Schätzung der Deckung der einzelnen Pflanzenarten durchgeführt. Anschließend erfolgt eine Frequenzanalyse; dabei werden die vier Eckquadrate wiederum in 100 Kleinquadrate unterteilt. Das Vorkommen jeder Art wird in den Kleinquadraten festgestellt. Schließlich werden in allen Gipfelarealenvollständige Listen aller vorkommenden Gefäßpflanzen erstellt und ihre Häufigkeit nach einer fünfstufigen Skala abgeschätzt.

Diese Erhebungen werden alle 5 bis 10 Jahre wiederholt. So kann beobachtet werden, ob bestimmte Arten aus tieferen Lagen einwandern, bzw. in höhere Lagen ausweichen, oder gar aussterben. Somit bilden diese Untersuchungen eine Grundlage zur Risikoabschätzung des Artenverlustes durch den Klimawandel und für Prognosen zur Stabilität der alpinen Ökosysteme.

Erstmals für Südtirol wird noch ein zoologisches Zusatzmodul hinzugefügt. Dabei werden pro Gipfel 16 Barberfallen gesetzt und mit einem Laubsauger bodenlebende Kleintiere abgesaugt. Das Protokoll stammt von Komposch et al. (2020).

https://www.parcs.at/npg/pdf_public/2019/34774_20191204_084429_KomposchAurenhammeretal2015-GLORIAextended.pdf

Partner: Die Erhebung der Südtiroler Standorte erfolgt federführend durch das botanische Institut der Universität Innsbruck unter der Leitung von Pau Carnicero. Die internationale Koordination des GLORIA-Projektes erfolgt durch die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und die Universität für Bodenkultur Wien (BOKU). Ein weiterer lokaler Partner ist das Amt für Natur.

Kontakt: Ansprechpartner für weitere Auskünfte ist Andreas Hilpold Andreas.Hilpold@eurac.edu, für den zoologischen Teil ist Michael Steinwandter michael.steinwandter@eurac.edu der Ansprechpartner.

KOMPOSCH Ch., AURENHAMMER S, FRIESS Th., HOLZINGER W., VOLKMER J. & PAILL W. (2020): GLORIA-Extended – Zoologisches Gipfel- und Klimamonitoring. Pilotprojekt im Nationalpark Gesäuse (Steiermark, Österreich). – Endbericht im Auftrag der Nationalpark Gesäuse GmbH, 173 Seiten.

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