Extensiv bewirtschaftete Wiesen mit reduzierter Düngung und geringer Schnitthäufigkeit zählen zu den artenreichsten Lebensräumen des Landes Südtirol. In solchen Wiesen findet man mehrere Dutzend Gefäßpflanzen-Arten, welche Nahrungsquellen sowie Lebensraum für Insekten und andere Lebewesen darstellen. Im Projekt Regionales Saatgut des Versuchszentrums Laimburg werden die Samen und Früchte der mehrjährigen Pflanzenarten in solchen artenreichen Wiesen gesammelt, getrocknet, gereinigt und unter kontrollierten Bedingungen gelagert. Besonders die Reinigung der oft nur wenigen Millimeter großen Samen und Früchte ist herausfordernd. Dafür werden verschiedene Geräte verwendet, die die Diasporen von den restlichen Pflanzenteilen trennen. Da jede Pflanzenart eine charakteristische Form und Größe der Diasporen aufweist, müssen Siebgrößen und Luftdruck der Maschinen stets individuell an die zu reinigende Art angepasst werden. Im Labor wird das Saatgut in einem Keimschrank bei standardisierten Licht-, Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnissen auf seine Keimfähigkeit geprüft. Bei 24 Arten konnten bereits über mehrere Vegetationsperioden Erfahrungen in der Vermehrung gesammelt werden. Für die Zukunft ist angedacht, aus dem gewonnenen Saatgut eine Saatgutmischung zu entwickeln, die im Obst- und Weinbau zur Begrünung der Zwischenzeilen Anwendung finden kann. Durch die Aussaat von regionalem Saatgut verspricht man sich eine Erhöhung der Artenvielfalt in der Kulturlandschaft und die Förderung der Ansiedelung von sogenannten Nützlingen wie z.B. Schwebfliegen.
Elena Wilhelm arbeitet am Versuchszentrum Laimburg und widmet sich seit über 3 Jahren den Herausforderungen der Saatgutproduktion von autochthonen Pflanzenarten in Südtirol.
Die Veranstaltung ist auch online auf dem YouTube-Kanal des Naturmuseums zu sehen.
