Projektbeschreibung und -ziele:
Das Konzept von Soundscape entstand Ende der 1960er-Jahre und wurde vom kanadischen Komponisten und Klangforscher Raymond Murray Schafer geprägt. Gemeint ist damit die vom Menschen wahrgenommene akustische Umwelt, d.h. alle Klänge, Geräusche und Laute in unserer Umgebung. Inzwischen hat das Konzept in verschiedenen Forschungsrichtungen Einzug gehalten, darunter Ökologie, Psychologie und Ingenieurswesen.
Dabei stehen hinter demselben Konzept Soundscape bisher häufig zwei unterschiedliche Ansätze: In standardisierten Forschungsprotokollen (ISO 12913-1) geht es meist um die menschliche Wahrnehmung der Klanglandschaft. Andere Forschungsansätze hingegen konzentrieren sich eher auf die Untersuchung und Beschreibung des Soundscapes selbst (Ökoakustik). Letztere umfasst die so genannte „Biophonie“ (die Klänge lebender Organismen in einem Ökosystem, wie Vogelgezwitscher, Insektenzirpen oder Tierrufe), außerdem die „Antrophonie“ (Geräusche technischer Geräte und menschlicher Tätigkeiten) und die „Geophonie“ (Naturgeräusche wie Wasserplätschern oder Blätterrauschen). Auch im Rahmen der Forschungen im BMS werden für die Artenbestimmungen gezielt Aufnahmen von Tierlauten (Vogelgesang, Fledermausrufe) gemacht.
Die oben beschriebenen Untersuchungsansätze – Ökoakustik einerseits, Erkundung menschlicher Wahrnehmung andererseits – verlaufen häufig parallel. Für das bessere Verständnis von Ökosystemen wäre es sinnvoll, beide Ansätze miteinander zu verknüpfen.
Das Projekt zielt darauf ab, genau diese Lücke zu schließen. Es soll ein integrativer Ansatz entwickelt werden, der menschenzentrierte Methoden mit bio- und ökoakustischen Verfahren kombiniert. Mit Fokus auf den Alpenraum in Südtirol untersucht das Projekt, wie Klang gleichzeitig zum menschlichen Wohlbefinden und zum Monitoring der Biodiversität beitragen kann.
Zu den Hauptzielen gehören:
• Untersuchung, inwiefern Messwerte der Klangwahrnehmung (= psychoakustische Indizes) Rückschlüsse auf die Biodiversität ermöglichen.
• Analyse, wie bioakustische Daten die Studien der menschlichen Klangwahrnehmung ergänzen können.
• Entwicklung von Leitlinien für das Soundscape-Management in Schutzgebieten mit dem Ziel, menschengemachte Lärmbelastung zu reduzieren.
Methoden:
Das Projekt hat eine Laufzeit von 36 Monaten und verfolgt einen innovativen multimethodischen Ansatz:
• Feldmonitoring und Soundwalks: Es werden rund 15 so genannte Soundwalks (Klangspaziergängen) in Langzeit-Untersuchungsgebieten in den Alpen durchgeführt, u.a. in der Umgebung verschiedener BMS-Standorte. Beteiligt daran sind Freiwillige, deren Wahrnehmungen der Klanglandschaft mittels Fragebögen erhoben werden. Kombiniert werden diese Daten mit so genannten binauralen Audioaufnahmen, die das menschliche Hören nachahmen.
• Psycho-ökologische Akustikanalyse: Audiosignale werden mit spezialisierter Software (z. B. Artemis von HEAD Acoustics) analysiert, um akustische Daten und wahrnehmungspsychologische Werte herauszufiltern. Diese Daten werden anschließend mit Biodiversitätsdaten (Erkennung der vorhandenen Vogelarten) sowie mit ökoakustischen Daten zu Naturgeräuschen (z. B. über RStudio) verknüpft.
Partner:
Eurac Research (Institut für Alpine Umwelt), Universität Trient (Department für Bau-, Umwelt- und Maschineningenieurwesen), University College London (UCL) (Institute for Environmental Design and Engineering), Stiftung HEAD-Genuit (Fördergeber).
Kontakt:
Giacomo Gozzi: giacomo.gozzi@eurac.edu
Matteo Anderle: matteo.anderle@eurac.edu







