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Projekt „Blumenwiesen – prati fioriti“ zur Förderung der Biodiversität in Siedlungsräumen

Ausgangslage:
Blumenwiesen sind artenreiche Grünlandflächen mit blühenden krautigen Pflanzen (umgangssprachlich „Blumen“ genannt). Kein Lebensraum auf der Erde beherbergt derart viele Pflanzenarten auf engstem Raum. Im Rahmen vom Biodiversitätsmonitoring Südtirol wurden in extensiv genutzte Wiesen durchschnittlich 50 – 70 Gefäßpflanzen auf 100 Quadratmetern gefunden, dazu bis zu 13 Heuschrecken-, 35 Wildbienen- und bis zu 32 Tagfalterarten. Wiesen sind aber auch der Lebensraum zahlreicher Bodenorganismen wie Regenwürmer, Kurzflügelkäfer, Milben und Springschwänze. Heimisch fühlen sich in den Blumenwiesen auch zahlreiche Vogelarten (vor allem Wiesenbrüter wie Goldammer, Braun- und Schwarzkehlchen), kleine Säugetiere (Spitzmäuse und Maulwürfe), Amphibien (Erdkröten) und Reptilien (Smaragdeidechsen und Blindschleichen). Über Jahrhunderte war diese Kulturlandschaft in ganz Südtirol von der Talsohle bis hinauf zu den Almen weit verbreitet, da sie zur Heugewinnung diente. Entstanden sind die bunten, artenreichen Blumenteppiche vor allem durch die früher übliche Bewirtschaftungsweise, d.h. durch regelmäßiges, schonendes Mähen mit der Sense. Ohne Mahd würden die Wiesen im Lauf der Zeit wieder verbuschen und langfristig zu Wald werden. Allerdings sind sie heute durch die intensive Grünlandnutzung, den Einsatz von zu großen Mengen an Wirtschaftsdüngern und Gras-Nachsaaten sowie durch zu häufiges und zu frühes Mähen bedroht. Blumenwiesen müssen durch besondere Maßnahmen erhalten oder gar neu angelegt werden.

Projektziele:
Das Gemeinschaftsprojekt „Blumenwiesen – prati fioriti“ unterstützt Gemeinden in Südtirol dabei, auf öffentlichen Rasen- und Brachflächen artenreiche Blumenwiesen neu anzulegen. Dazu soll möglichst lokales Saatgut verwendet werden, um auf diese Weise auch langfristig die genetische Vielfalt an heimischen Pflanzenarten zu erhalten. Es geht dabei zunächst darum, die notwendigen Verfahren für Anlage/ Pflege dieser extensiven Wiesen zu entwickeln und auf Pilot-Flächen zu testen. Längerfristig soll das Projekt im gesamten Land nachgeahmt werden können. Um die gesammelten Erfahrungen allgemein nutzbar zu machen, entsteht ein Leitfaden/Handbuch mit Anregungen zu blumenwiesenschonender und biodiversitätsfreundlicher Bewirtschaftung. Es finden praxisnahe Kurse für Gärtner:innen und Mitarbeiter:innen von Bauhöfen statt; außerdem werden durch Workshops und Veranstaltungen die Zivilgesellschaft und verschiedene Bildungseinrichtungen auf das Thema aufmerksam gemacht. Mittel- bis langfristig soll das Projekt verschiedene positive ökologische Effekte erzielen, darunter etwa die Verlangsamung des Rückgangs von Bestäuberinsekten.

Detaillierte Informationen finden sich auf der Webseite: Blumenwiesen Südtirol | prati fioriti – der Natur zuliebe

Umsetzung:

Unter der Leitung des Dachverbands für Natur- und Umweltschutz arbeiten sechs verschiedene Partner mit ihren jeweiligen Kompetenzen zusammen.

  • Eurac Research und dem Biodiversitätsmonitoring Südtirol fällt die Aufgabe der wissenschaftlichen Erhebung der verschiedenen Tier- und Pflanzenarten in bestehenden und in neu entstehenden Blumenwiesen zu.
  • Außerdem unterstützt das BMS-Team die Partner vom Versuchszentrum Laimburg, die mit der Entwicklung von lokalem Saatgut aus heimischen Pflanzen von insgesamt zehn biogeografische Kleinregionen betraut sind.
  • Das BMS-Team stellt auch seine Fachkenntnis zur Verfügung, um die Lebensbedingungen und die Bedürfnisse der unterschiedlichen Tier- und Pflanzenarten der Blumenwiese besser zu verstehen. Daraus lassen sich konkrete Handlungsempfehlungen für eine biodiversitätsfreundlichere Nutzung ableiten.

Projektdauer: 2024 – 2026 (Fortsetzung als Projekt 2.0 ab 2027)

Partner:
Eurac Research (Institut für Alpine Umwelt), Dachverband für Natur- und Umweltschutz, Stiftung Südtiroler Sparkasse, Versuchszentrum Laimburg, Verein Sortengarten Südtirol, Filiera Futura

Kontakt:
Andreas Hilpold: andreas.hilpold@eurac.edu

MEDIA CONTACT

Margot Schwienbacher / Julia Strobl

Margot.Schwienbacher@eurac.eduJulia.Strobl@eurac.edu

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