Projektbeschreibung und -ziele:
Der intensive Apfelanbau in vielen Gebieten Südtirol hat eine relativ artenarme Flora und Fauna zur Folge – was sowohl für das ungeschulte Auge sichtbar ist als auch durch die wissenschaftliche Fachliteratur bestätigt wird. Die Forschungsergebnisse des BMS konnten diese Annahmen noch zusätzlich mit lokal gesammelten Daten untermauern. Inzwischen gibt es allerdings von Seiten der Landwirtschaft Bestrebungen, diesem Verlust an Biodiversität entgegenzuwirken.
In einem Modellgebiet – dem so genannten „Schneewinkel“, einer Apfelanbauzone bei Schlanders im Vinschgau – sollen geeignete Maßnahmen zur Biodiversitätsförderung erprobt werden. Das BMS-Team arbeitet dabei eng zusammen mit dem Verband der Vinschgauer Produzenten für Obst und Gemüse VI.P, sowie mit dem Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau.
In der zentralen Phase des „Schneewinkel“-Projekts geht es darum, zusammen mit den Grundbesitzer:innen biodiversitätsfördernde Maßnahmen umzusetzen, die sich andernorts bereits bewährt haben. Dazu zählen Maßnahmen in Rand- und Begrenzungsbereichen (z.B. Hecken, Einzelbäumen, Trockensteinmauern) oder in der Obstanlage (z.B. Ansaaten von Blühpflanzen für Bestäuber).
Auf welche Weise sich diese Eingriffe längerfristig auswirken und welche Rückschlüsse sich in Bezug auf Artenvielfalt und -zusammensetzung ziehen lassen, wird projektbegleitend vom BMS-Team untersucht.
In einer Pilotphase des Projekts wurden bereits im Jahr 2020 im Rahmen des BMS an insgesamt acht Standorten (vier im Schneewinkel-Kerngebiet und vier außerhalb des Gebiets) Erhebungen zu verschiedenen Organismengruppen durchgeführt. Erhoben wurden Tagfalter und anderer Flug- und Bestäuberinsekten, Fledermäuse und Vögel. Im Jahr 2025 wurden die Erhebungen der Pilotphase wiederholt. Durch diese Erhebungsserie im Abstand von fünf Jahren können wir den derzeitigen Zustand des Gebietes (Baseline-Erhebung) dokumentieren, also zu einem Zeitpunkt, an dem noch keine spezifischen Verbesserungsmaßnahmen durchgeführt wurden. Durch diese Baseline-Erhebung sollte es uns in Zukunft möglich sein, durch die Maßnahmen verursachte Veränderungen nachzuweisen.
Neben dem unmittelbaren Biodiversitätseffekt werden im Projekt auch spezifisch agronomische Fragen (z.B. nach Schadinsekten und ihrer Eindämmung durch höhere Biodiversität und natürliche Gegenspieler) in den Blick genommen. Ergänzend zu den wissenschaftlichen Erhebungen spielt der Austausch mit Landwirt:innen, Genossenschaftsmitgliedern, sowie politischen Entscheidungsträgern eine wesentliche Rolle. Auch die breitere Öffentlichkeit soll erreicht werden. Es geht darum, die Bedeutung einer artenreicheren Flora und Fauna in Obstbaugebieten zu vermitteln. Darüber hinaus sollen die neuen Ansätze für mehr Biodiversität im Intensivanbau veranschaulicht werden. Schließlich werden die verschiedenen Maßnahmen mit allen Beteiligten diskutiert. Die praxisnahen Erfahrungen aus dem „Schneewinkel“-Gebiet sollen langfristig auch in anderen Apfelanbaugebieten genutzt werden können.
Partner: Verband der Obst- und Gemüseproduzenten aus dem Vinschgau VI.P, Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau, Versuchszentrum Laimburg
Kontakt:
Andreas Hilpold: andreas.hilpold@eurac.edu
Dietmar Battisti dietmar.battisti@eurac.edu

Im Bild: Die Singdrossel.

Im Bild: Kleiner Kohlweißling.



