Einleitung
Flechten sind symbiotische Organismen, die aus der Lebensgemeinschaft von Pilzen, Algen und/oder Cyanobakterien bestehen. Sie zählen zu den ältesten und am weitesten verbreiteten Organismengruppen der Erde. Aufgrund ihrer hohen Empfindlichkeit gegenüber Umweltveränderungen (insbesondere Luftqualität und mikroklimatische Bedingungen) gelten epiphytische Flechten, also jene Arten, die auf der Rinde von Bäumen wachsen, als hervorragende Bioindikatoren für den Zustand von Waldökosystemen. Ihr Vorkommen, ihr Fehlen oder ihre Häufigkeit spiegeln die lokalen Umweltbedingungen unmittelbar wider und machen sie zu wertvollen Instrumenten für das Biodiversitätsmonitoring und die Erfassung von Veränderungen in unseren Waldlandschaften.
Projektbeschreibung und Ziele
Im Rahmen des Biodiversitätsmonitorings Südtirol (BMS) wurden Untersuchungen zur Vielfalt epiphytischer Flechten in 60 Waldflächen in ganz Südtirol durchgeführt. Ziel des Projekts ist es, die Artenzusammensetzung und den Artenreichtum der Flechtengemeinschaften auf der Baumrinde zu dokumentieren. Die erhobenen Daten bilden eine wichtige Grundlage für die Bewertung des ökologischen Zustands der untersuchten Wälder und ermöglichen es, Veränderungen der Flechtengemeinschaften im Laufe der Zeit zu erkennen.
Untersuchungsgebiete und Methoden
An jedem Waldstandort wurde die Biodiversität der epiphytischen Flechten von der Lichenologin Giulia Canali nach den Richtlinien des Index der Flechtenbiodiversität (IBL) erhoben. Diese standardisierte Methode basiert auf der Bestimmung der Flechtenarten, die innerhalb eines Gitters auf der Baumrinde an den Himmelsrichtungen erfasst werden. Zu diesem Zweck wurden pro Standort drei große, mit Flechten bewachsene Bäume ausgewählt mit einem Umfang von ≥ 50 cm. Die Baumarten mussten dabei charakteristisch für den jeweiligen Wald-Vegetationstyp sein.
Durch diese Standard-Methode können die Ergebnisse sowohl zwischen verschiedenen Standorten als auch über längere Zeiträume hinweg direkt miteinander verglichen werden. Die erhobenen Daten liefern einen aktuellen Überblick über die Flechtenvielfalt in den Wäldern Südtirols. Sie tragen zur Aktualisierung regionaler Datenbanken bei und schaffen eine wichtige Grundlage für zukünftige Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen Flechtengemeinschaften und Umweltfaktoren wie Klima- und Bodenbedingungen.
Contatto
Giulia Canali
Andreas Hilpold andreas.hilpold@eurac.edu
Silvia Poponessi silvia.poponessi@eurac.edu







