Hintergrund und Projektbeschreibung:
Das Biodiversitätsmonitoring wird durch digitale Technologien grundlegend verändert, da diese effizientere, standardisierte und umfangreichere Beobachtungen von Ökosystemen ermöglichen. Eine der vielversprechendsten Methoden ist das Passive Acoustic Monitoring (PAM), bei dem automatisierte akustische Aufnahmegeräte kontinuierlich Informationen über Tierwelt und Umweltbedingungen erfassen. Da viele Vogelarten anhand ihrer Lautäußerungen leichter nachgewiesen werden können als durch Sichtbeobachtungen, stellt PAM ein wirksames Instrument zur Überwachung von Vogelgemeinschaften in großen und oft schwer zugänglichen Schutzgebieten dar.
Im Rahmen unseres Projekts wird diese Methode nun auch für Biodiversitätserhebungen in italienischen Nationalparks eingesetzt.
PAM bietet eine nicht-invasive und standardisierte Methode, um das Vorkommen von Arten zu erfassen, Veränderungen in Vogelgemeinschaften zu verfolgen und ein langfristiges Biodiversitätsmonitoring durchzuführen. In Kombination mit klassischen Freilanderhebungen verbessert das akustische Monitoring die Erkennung von Arten und ermöglicht ein umfassenderes Verständnis der Vogelvielfalt. Jüngste Fortschritte im Bereich der Künstlichen Intelligenz erleichtern die Verarbeitung großer Mengen akustischer Daten. Allerdings bleibt die Validierung durch Expert:innen weiterhin unverzichtbar, um verlässliche Ergebnisse zu gewährleisten. Gemeinsam liefern diese Ansätze wertvolle Informationen für die Naturschutzplanung und das Management von Schutzgebieten.
Die Integration digitaler Technologien in das Biodiversitätsmonitoring bringt erhebliche Vorteile für den Naturschutz mit sich: Standardisierte und langfristige Datensätze ermöglichen die frühzeitige Erkennung von Bestandsrückgängen und neuen Gefährdungen, unterstützen evidenzbasierte Managemententscheidungen und schaffen wertvolle Grundlagen für Forschung, Bildung und Öffentlichkeitsarbeit. Gleichzeitig bieten Methoden wie das PAM skalierbare und übertragbare Lösungen, die in unterschiedlichen Regionen und Ökosystemen eingesetzt werden können. Durch die Verbindung technologischer Innovation mit ökologischer Fachkompetenz wird das Biodiversitätsmonitoring effektiver, reproduzierbarer und anpassungsfähiger gegenüber Umweltveränderungen und stärkt damit die wissenschaftliche Grundlage für erfolgreiche Naturschutzmaßnahmen.
Methoden und Aufgaben:
Das Projekt zählt zu den größten Biodiversitätsmonitoring-Initiativen, die jemals in Italien durchgeführt wurden: ein landesweites akustisches Monitoringprogramm in 22 italienischen Nationalparks. Tausende von autonomen Audiorekordern wurden in unterschiedlichen Lebensräumen installiert und schufen damit einen standardisierten Rahmen für die Erhebung, Verwaltung und Analyse von Biodiversitätsdaten auf nationaler Ebene. Durch die Zusammenarbeit von Schutzgebietsverwaltungen, Forschenden, Techniker:innen sowie Datenspezialist:innen zeigte die Initiative, wie innovative Technologien großräumige Naturschutzmaßnahmen unterstützen können und gleichzeitig wissenschaftliche Genauigkeit, Transparenz und eine hohe Datenqualität gewährleisten.
Im Rahmen des Projekts bestand unsere Aufgabe darin, die zentralen wissenschaftlichen und technischen Aktivitäten für die Umsetzung des Monitorings zu koordinieren und zu begleiten. Insbesondere waren wir für die methodische Konzeption des Stichprobendesigns, die Koordination der Freilanderhebungen sowie die technische Unterstützung bei der Installation, Wartung und Rückholung der akustischen Aufnahmegeräte verantwortlich.
Parallel dazu koordinierten wir die Verarbeitung und Analyse der erhobenen Daten. Dies umfasste die Entwicklung ökologischer Indikatoren, die fachliche Überprüfung automatisierter Artbestimmungen sowie die statistischen Analysen zur Interpretation der Ergebnisse. Darüber hinaus wirkten wir an der Erstellung von Arbeitsprotokollen, technischen Handbüchern und methodischen Leitlinien mit, um die Standardisierung der Verfahren sowie die langfristige Wiederholbarkeit des Monitoringprogramms in den beteiligten Nationalparks sicherzustellen.
Projekt-Partner:
Eurac Research (Institut für Alpine Umwelt), Università di Milano, ISPRA (Istituto Superiore per la Protezione e la Ricerca Ambientale), Centro Studi Bionaturalistici srl, Studio Naturalistico Hyla srl, Terre.it srl, TEMI srl, Agristudio srl, Studio RDM, For Nature srl, Bioprogramm srl
Kontakt:
Matteo Anderle: matteo.anderle@eurac.edu
Emmanuel Requena: emmanuel.requena@eurac.edu
Jarek Scanferla: jarek.scanferla@eurac.edu





