GRACE – Urbane Dächer als grüne Infrastruktur für besser vernetzte alpine Städte
Ausgangslage
Dächer von städtischen Gebäuden werden oft als rein technische Elemente betrachtet und ausschließlich nach architektonischen Gesichtspunkten bewertet – dabei können sie längst mehr. Werden diese Dächer begrünt, stellen sie eine wertvolle Ressource für die Umwelt dar, sie helfen dabei, die Folgen des Klimawandels abzumildern und sind darüber hinaus auch ästhetisch sehr ansprechend.
Vor allem in den dicht besiedelten alpinen Städten bieten sie gleich mehrere Vorteile: Grüne Dächer fördern die Biodiversität, verbessern mikroklimatische Bedingungen, erhöhen den Anteil grüner innerstädtischer Infrastruktur und tragen dazu bei, die fragmentierten Ökosysteme zwischen Stadt und umgebenden ländlichen Raum wieder zu vernetzen und den Lebensraum verschiedener Arten zu erweitern.
Projektbeschreibung, Ziele und Projektdauer
Beim Projekt GRACE handelt es sich um eingrenzüberschreitendes Interreg Italien-Österreich-Forschungsvorhaben, das vom Institut für Regionalentwicklung koordiniert und von weiteren Instituten von Eurac Research mitgetragen wird. Im Wesentlichen geht es bei GRACE darum, die oben genannten Potentiale von Gründächern genauer zu erforschen.
Das Projekt ist auf zwei Jahre angelegt (April 2026- März 2028). Neben wissenschaftlichen Erhebungen an insgesamt 12 Dachstandorten in Bozen, Innsbruck und Udine umfasst es auch Aktivitäten zur Wissensvermittlung für Fachleute der Stadtplanung, für Interessensgruppen, Bürger:innen und Schulen.
Ein Teil des Projekts wird sozusagen „direkt vor der Haustür“ umgesetzt: Auf dem Dach des historischen roten Eurac-Gebäudes in der Drususallee wurde im Frühling 2026 ein Gründach angelegt. Dieser Dachgarten spiegelt in Miniatur verschiedene Landschaftstypen Südtirols samt charakteristischer Flora wider. Er soll als konkretes Beispiel dienen, um die Umsetzung von Gründächer als naturbasierte Lösungen gegen den Klimawandel zu erproben und anschaulich darzustellen.
Methoden
GRACE analysiert die strategisch wichtige Rolle von grünen Dächern in hochverdichteten städtischen Räumen (z.B. in Siedlungsgebieten, Industriezonen, Gewerbeflächen…). Für die Untersuchungen zur Auswirkung von grüner Dach-Infrastruktur werden Methoden des Biodiversitätsmonitoring Südtirol verwendet, d.h. es werden botanische Erhebungen gemacht; Schmetterlinge, Heuschrecken und Wildbienen. Fledermäuse und Vögel werden über akustische Aufnahmegeräte erfasst und zu einem späteren Zeitpunkt bestimmt. Zusätzlich zu diesen, bereits im BMS erprobten und bewährten Methoden kommen aber auch innovative Ansätze zum Einsatz: Zum einen wird auf den Dächern eine Malaise-Falle installiert, zum anderen findet eine Lichtfalle Anwendung. Während mit der Malaise-Falle über einen längeren Zeitraum zahlreiche Insektengruppen besammelt werden, ist die Lichtfalle ideal, um nachtaktive Schmetterlingsarten zu erfassen. Die dadurch gesammelten Insekten werden nicht morphologisch bestimmt, sondern es erfolgt eine DNA-Sequenzierung. Durch das Metabarcoding können mit geringem Zeitaufwand eine Vielzahl von Tierarten erfasst werden.
Kombiniert wird das Monitoring mit mikroklimatischen Analysen und räumlichen Modellierungen. Die praxisnahen Experimente und die gartenbaulichen Beobachtungen, die am neu angelegten Gründach der Eurac gemacht werden, liefern ebenfalls wertvolle Hinweise.
Die Gesamtheit der gewonnenen Erkenntnisse soll dabei helfen, konkrete Instrumente zur nachhaltigeren Stadtplanung zu entwickeln. Es geht darum, gezielte naturbasierte Lösungen zu finden, um Städte widerstandsfähiger und lebenswerter zu gestalten und die urbane grüne Infrastruktur noch besser zu vernetzen.
Partner für die Biodiversitätserhebungen:
- Tiroler Landesmuseen
- Universität Udine
- Institut für Regionalentwicklung (Eurac Research)
Weiterführende Informationen zum gesamten Projekt und den weiteren Partnern findet man auf der offiziellen Homepage des Projektes
Kontakt:
Andreas Hilpold: andreas.hilpold@eurac.edu
Kinga Kovács: kinga.kovacs@eurac.edu






